Der burgenländische Weg: Der arme Süden finanziert den reichen Norden

Hinterlasse einen Kommentar

21. Juli 2012 von suedburgenlandprobahn

Derzeit sorgt eine parlamentarische Anfrage der Nationalratsabgeordneten Franz Glaser und Kollegen an die Verkehrsministerin Doris Bures für Aufregung. Die schriftliche Anfrage mit der Nr. 11622/J vom 15. Mai 2012 betrifft die Eisenbahninvestitionen im Burgenland (1). Die dabei gewonnenen Daten zeigen ganz klar das Ungleichgewicht der eingesetzten Mittel von Bund und Land im Burgenland im Zeitraum 2001 bis 2011. Die folgende Tabelle zeigt, dass im besagten Zeitraum im Norden 135,1 Mio €, im Süden allerdings nur 16 Mio. € investiert wurden. Während im Nordburgenland bei einer Streckenlänge von 124 km für jeden Kilometer fast 1,1 Mio € ausgegeben wurden, waren es im Süd- und Mittelburgenland bei 66,7 km Strecke nur 0,24 Mio. € (betrifft jeweils die angeführten Bahnstrecken) (2).

Noch drastischer zeigt folgende Graphik, welchen Anteil am Kuchen dem Süd- und Mittelburgenland bei den Eisenbahn-Investitionen zugeteilt worden ist.

Die systematische Schlechterstellung des Süd- und Mittelburgenlandes ist dabei offensichtlich. Nicht genug, dass das Netz im Norden in den letzten Jahrzehnten gewachsen und das im Süden geschrumpft ist. Nein, Bures und Niessl müssen das Ungleichgewicht noch verstärken, indem sie in jeden Bahnkilometer im Norden ca. 4,5 mal mehr investieren als im Rest des Landes.

Dadurch entlarvt sich die Argumentation der burgenländischen Landesregierung, im Süden wären Investitionen in die Bahn wegen zu geringer Fahrgastzahlen nicht gerechtfertigt, als eine reine Verdrehung von Ursache und Wirkung. Eben weil im Norden mehr investiert worden ist, steigen dort Jahr für Jahr die Fahrgastzahlen. “Südburgenland Pro Bahn” fordert deshalb auch nicht mehr als Chancengleichheit zwischen Nord- und Südburgenland. Durch die Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke Oberwart – Friedberg und des Güterverkehrs auf den Strecken Oberwart – Rechnitz bzw. Oberloisdorf – Deutschkreutz werden Mittel frei, die in andere Schieneninfrastrukturprojekte fließen. Jeder Österreicher finanziert über Abgaben diese Projekte, auch dann, wenn einem diese Infrastruktur gar nicht zur Verfügung steht – wie nun in den Bezirken Güssing und Oberwart. Somit erfolgt eine Umverteilung vom ärmeren Süd- und Mittelburgenland in den reicheren Landesnorden. Diese Tatsache ist mehr als nur pikant. Die Auswirkungen sind bekannt:

  • Verlust von Arbeitsplätzen (wie jüngst Fa. Kölbl in Rechnitz als Folge der Einstellung des Güterverkehrs)
  • Abwanderung
  • Finanzielle Nachteile für Pendler
  • Wertverlust bei Immobilien durch Verschlechterung der lokalen Infrastruktur
  • Wirtschaftliche Schwächung der gesamten Region

Folgende Graphiken sollen die Umverteilung “nach oben” noch einmal verdeutlichen.

(1) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/AB/AB_11462/index.shtml
(2) Nicht berücksichtigt sind hierbei Investitionen in die Strecke Wien – Budapest mit 41,0 Mio. € sowie in die Steirische Ostbahn im Abschnitt Fehring – Mogersdorf mit 10,0 Mio. €, weil diese Strecken dem hochrangigen Netz zuzurechnen sind und somit nicht primär dem Bedarf des Landes

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: