Durch Visionen UND Taten zum Erfolg

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22. Juli 2014 von suedburgenlandprobahn

Der Landflucht muss gegengesteuert werden, um vor allem der Jugend Arbeitsplätze und Lebensqualität zu sichern. Das geht nur mit Verkehrssystemen der Zukunft, so das Ergebnis der Veranstaltung „Mobil 2020 in der Grenzregion Südost“, die am 27.Juni in Bad Tatzmannsdorf stattfand und viel Zuspruch gefunden hat. Fachexperten, Entscheidungsträger und Bürger/-innen beschäftigten sich dabei mit der Frage, welche Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung mit welchen Verkehrssystemen in Zukunft abgedeckt werden und wie die Systeme einander optimal ergänzen können.

Österreichische und ungarische Verkehrsplaner, Infrastrukturexperten sowie namhafte Bahn- und Busbetreiber referierten über Personenmobilität und Güterverkehr und diskutierten eifrig mit dem Publikum. Die Teilnehmer waren nicht in allen Details einer Meinung. Einigkeit bestand jedoch bei der Frage, dass sich durch eine bessere Koordination mit den vorhandenen Finanzmitteln für den öffentlichen Verkehr mehr erreichen ließe als bisher. Insbesondere dürfe es zwischen Bahn und Bus kein Konkurrenzdenken geben. Das richtige Rezept laute vielmehr: Attraktive Bahntrassen für einen attraktiven Personenverkehr und Güterverkehr nutzen; Linienbusse, Sammelbusse sowie Ruftaxis dort einsetzen, wo sie ihre Stärken optimal ausspielen können. Wichtig dabei sind eine gute Vernetzung aller öffentlichen Verkehrsmittel mit kurzen Umsteigewegen und das Anbieten eines für die Nutzer optimalen Taktes.

Daraus leiten wir ab, dass es im Südburgenland ein Gesamtmobilitätskonzept geben muss, weil der öffentliche Verkehr in der bestehenden Form oftmals nicht wirklich nutzbar ist. Wichtig ist ein grenzüberschreitend abgestimmtes Modell zwischen der Steiermark, dem Burgenland, Niederösterreich und Ungarn. Eine klare Prioritätensetzung ist in diesem Bereich dringend notwendig“, betont der unabhängige Verkehrsplaner Herbert Mayer.

Güterverkehrsworkshop stieß auf großes Interesse der Wirtschaft

Die von den ÖBB wegen angeblicher Unwirtschaftlichkeit angedrohte Einstellung des Güterverkehrs auf der Pinkatalbahn konnte durch eine Kooperation mit der Steiermarkbahn bereits vor über einem Jahr abgewendet werden. Seither ist es gelungen, beachtliche Ergebnisse in diesem Bereich zu erzielen. Insbesondere kam es zu einer deutlichen Steigerung der Tonnagen.

Im Rahmen eines eigenen „Workshops der Wirtschaft“ wurde mit dreißig namhaften Vertretern von Industrie, Gewerbe, Handel und Landwirtschaft versucht, zusätzliche Transportpotentiale der Unternehmer aufzuzeigen und zu prüfen, wo die Bahn auch für sie eine konkurrenzfähige Alternative zum LKW-Transport ist. Mit den anwesenden Verantwortlichen von ÖBB und Steiermarkbahn wurden bestehende Problemfelder angesprochen und Verbesserungsvorschläge diskutiert. Faktum ist, dass der Güterverkehr in der Region nur erhalten bleiben wird, wenn die Steiermarkbahn sowohl den steirischen Ast nach Rohrbach/Vorau als auch den burgenländischen Ast nach Oberwart bedienen kann.

Johanna Glaser von „Südburgenland Pro Bahn“: „Nur dank einer intensiven Koordinationstätigkeit zwischen der Steiermarkbahn und einzelnen Unternehmen der Region, federführend durch ‚Stahlbau Unger‘ und ‚Holzwerk Kern‘ geleitet, konnte ein umfassendes Gutachten und ein Einspruch der Landeshauptleute Voves und Niessl gegen den inzwischen ebenfalls seitens der ÖBB gestellten Antrag auf Einstellung der Infrastruktur erwirkt werden.“

Kooperation statt Konfrontation“ als Schlüssel zum Erfolg

Die Notwendigkeit einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Verkehrssystemen und Regionen betonte auch der Hauptredner der Veranstaltung, der ehemalige Bürgermeister von Naturns/Südtirol, Dr. Walter Weiss. Er hatte mit seiner Bürgerinitiative bereits vor 25 Jahren einen „staufreien Korridor vom Vinschgau in die Landeshauptstadt“ gefordert. Die dortige, totgesagte Regionalbahn wurde darauf hin nach einem zähen Kampf und 15 Jahren Dornröschenschlaf im Jahre 2005 erfolgreich reaktiviert. Sie bildet heute einen wichtigen Tourismusmagnet und befördert inzwischen jährlich über 2 Mio. Fahrgäste.Man erzielte Einigkeit, dass die Bahn für den Güterverkehr und die Wirtschaft in der Region unverzichtbar und ausbaufähig ist.

Unbegründete Vorbehalte gegen eine attraktive Regionalbahn hatte es seinerzeit im Vischgau ebenso gegeben, wie es sie heute in der Region Südostösterreich gibt. In seiner mitreißenden Rede brachte Dr. Weiss einige konkrete Beispiele:

  • „Bevor die Eisenbahn gekommen ist, haben sich die Leute gefürchtet. Eine Hotelbesitzerin hat gesagt: ‚Bürgermeister: Wenns’t die Bahn wieder fahren lässt, dann bring i di um!‘ Heute ist sie begeistertes Mitglied in unserem Verein ‚Freunde der Eisenbahn‘.“

  • „15 Jahre haben wir gekämpft, dass die Bahn wieder fährt. 3 Bürgermeister waren dafür und 10 Bürgermeister waren dagegen. Im Tourismus waren alle dagegen. Heute sind alle Bürgermeister dafür. Und der Tourismus kann sich nicht mehr vorstellen, auf die Bahn zu verzichten!“

  • „Redet’s net, setzt’s es um und ihr werdet’s sehen, dass ihr Erfolg habt.“, als einfacher Ratschlag an die Politik im Burgenland.

Der Gastgeber, der Bad Tatzmannsdorfer Bürgermeister Ernst Karner, gratulierte zum hochkarätigen Veranstaltungsprogramm und unterstrich die Vorteile, die eine attraktive Bahn in einer Tourismusregion mit sich bringen würde.

Steiermark als Vorbild

Bei der anschließenden Politikerrunde wurde deutlich, dass in der Steiermark die Abgeordneten der Region und der zuständige Landesrat in den wesentlichen Punkten an einem Strang ziehen: Die Bahn steht als wesentlicher Bausteins des öffentlichen Verkehrs außer Streit. In Graz und Hartberg ist vernetztes Denken, sogar über die Ländergrenze hinweg, stärker ausgeprägt als das vernetzte Denken innerhalb des Burgenlandes.

Der Präsident der Generalversammlung des ungarischen Kommitats Vas betonte die Notwendigkeit von grenzüberschreitenden Verbindungen auch im öffentlichen Verkehr. In Ungarn werden Regionalbahnen, wie beispielsweise die Verbindung Köszeg und Szombathely, weiterhin betrieben und im Großraum Szombathely Überlegungen angestellt, den Verkehr auf der Schiene weiter zu attraktivieren.

Die intensiven Diskussionen waren eine Initialzündung für weitere Treffen. Wir werden die wertvollen Fachbeiträge in den nächsten Wochen im Internet (http://bahnabbau.wordpress.com) zur Verfügung stellen und hoffen, dass auch die burgenländische Landesregierung endlich einen konstruktiven Dialog beginnt“, zog Christoph Wachholder von Südburgenland Pro Bahn ein Resümee.

Die Politiker im „Pro-Bahn“-Wordrap

Dr. Gerhard Kurzmann, Verkehrslandesrat Stmk., FPÖ … Ausbau der Erfolgsgeschichte „steirische S-Bahn“: +58% Fahrgastzuwachs in fünf Jahren

Ferenc Kovács, Präsident der Generalversammlung des Komitats Vas … Interesse für Verkehrsverbindungen vorhanden – starke Initiative von österreichischer Seite notwendig

LAbg. Helga Ahrer, Verkehrssprecherin SPÖ Stmk. … transparentes Tarifsystem hilft Bahn und Kunden

LAbg. Doris Prohaska, i.V. LR Helmut Bieler, SPÖ Bgld. … Die Landesregierung macht alles richtig, an Problemen sind andere schuld. Kritik = Populismus

LAbg. Wolfgang Böhmer, SPÖ Stmk. … vernetzte Öffis mit guter Taktung sind wichtigster Baustein

LAbg. KR Andrea Gottweis, ÖVP Bgld. … Einsatz für Güterverkehr als Rückgrat der Wirtschaft in der Region – sie braucht die Bahn.

LAbg. Ilse Benkö, FPÖ Bgld. … Bahnverbindung nach Steinamanger durch Schulterschluss im Südburgenland – statt Einstellung wegen Fraktionszwang in Eisenstadt

LAbg. Wolfgang Spitzmüller, Grüne Bgld. … weiß als intensiver Öffi-Nutzer, wo der Schuh drückt – und wie einfach und wirkungsvoll Verbesserungsmaßnahmen sein können.

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